Weltkindertag

    Um die Situation und die Rechte der Kleinsten in der Gesellschaft geht es am Weltkindertag, der seit Mitte des 20. Jahrhunderts internationale Bedeutung erlangt hat. Der Weltkindertag, auch Internationaler Tag des Kindes oder Internationaler Kindertag, wird jährlich weltweit in über 160 Ländern gefeiert. Allerdings gibt es kein einheitliches Datum für diesen Feiertag, der in Österreich am 20. September begangen wird. 2014 feierte der Weltkindertag seinen 25. Geburtstag – eine tolle Gelegenheit, die Missstände und Defizite aufzuzeigen.

    Geschichte

    Die Ursprünge des Weltkindertages sind sehr eng mit reformpädagogischen, aber auch sozialistischen Vorstellungen des frühen 20. Jahrhunderts verbunden.
    Bereits 1902 beschäftigte sich die schwedische Pädagogin Ellen Key in ihrem Buch "Jahrhundert des Kindes" mit den Bedürfnissen von Kindern. Von besonderer Bedeutung war für sie dabei, dass Kinder Rechte haben und geschützt werden müssen. Der Erste Weltkrieg und mit ihm das vielfache Leid der Flüchtlingskinder führten dazu, dass sich in Großbritannien unter der Leitung von Eglantyne Jebb das Kinderschutzkomitee "Save the children" gründete.

    Dieses Komitee verfasste bald nach seiner Gründung ein fünf Punkte umfassendes Programm, das den Schutz und das Wohl der Kinder zum Inhalt hatte. Am 24. September 1924 wurde dieses Programm von der Generalversammlung des Völkerbundes verabschiedet und ging als "Genfer Erklärung" in die Geschichte ein. In den fünf Artikeln der Erklärung werden für die Kinder körperliches und geistiges Wohlergehen, Zugang zu Bildung, Schutz vor Ausbeutung, Förderung und Unterstützung in Notsituationen eingefordert. Arbeiterbewegungen und sozialistische Strömungen, die im deutschsprachigen Raum hauptverantwortlich für die Einführung eines Kindertages waren, betonten vor allem Artikel 5 der Genfer Erklärung: "Das Kind soll in dem Gedanken erzogen werden, seine besten Kräfte in den Dienst seiner Mitmenschen zu stellen."1

    Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Gründung der UNO am 26. Juni 1945 sowie die Auflösung des Völkerbundes 1946 bedeuteten für die Kinderrechte zunächst einen kleinen Rückschritt. Die Genfer Erklärung wurde von der UNO nicht übernommen und war somit völkerrechtlich nicht mehr bindend. Auf Initiative der Internationalen Demokratischen Frauenföderation wurde 1948 die Einrichtung eines Internationalen Kindertages, vergleichbar mit dem Internationalen Frauentag, gefordert. Aus heute nicht mehr exakt nachvollziehbaren Gründen wurde 1949 der 1. Juni als Datum für diesen Kindertag festgelegt, der ab 1950 in zahlreichen sozialistischen Ländern abgehalten wurde.

    1954 beauftragte die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UNICEF mit der Austragung eines Weltkindertages, damit ein Zeichen für Kinderrechte gesetzt wird. Jeder Staat soll einen Tag dafür festsetzen. In Deutschland und Österreich ist es der 20. September, die Vereinten Nationen hingegen feiern den 20. November als Internationalen Tag der Kinderrechte.

    Egal um welche Bezeichnung es sich nun handelt, gemeinsam ist allen der Fokus auf den Kinderrechten, die vor 25 Jahren von der UN-Kinderrechtskonvention erstellt wurden. Die Kinderrechte gelten in allen Ländern, sowohl in Entwicklungs- als auch in Industrieländern. Von der Umsetzung sind jedoch beide gleichermaßen weit entfernt, die Probleme sind lediglich anders verlagert.

    1989 heißt es in der UN-Kinderrechtskonvention, dass jedes Kindes ein Recht auf Überleben, persönliche Entwicklung und Schutz vor Ausbeutung und Gewalt hat. 2, 3

    Brauchtum

    Den Weltkindertag feiert man in Österreich allerdings schon sehr viel länger, nämlich seit 1953. Zwar gibt es keine Vorgabe für ein exaktes Datum, jedoch hat sich in den meisten Bundesländern der 20. September als Ausführungstag etabliert.

    "In zahlreichen Festen und Aktionen soll auf die Situation von Kindern weltweit hingewiesen werden, Erwachsene und vor allem Entscheidungsträger sollen für Rechte und Bedürfnisse von Kindern sensibilisiert werden und Kinder sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Anliegen vorzubringen und neue Ideen vorzustellen". 3

    Dabei haben die Kinder auch die Chance, sich mit speziellen Projekten, die sich mit der praktischen Umsetzung der Kinderrechte beschäftigen, als UNICEF-Junior-Botschafter zu bewerben.

    Kinderrechte in Österreich

    "Neben der Absenkung des Wahlalters von 18 auf 16 Jahre sind auch die Einrichtung der bundeslandweiten Kinder- und Jugendanwaltschaft sowie das Verbot von Gewalt in der Erziehung ein sichtbarer Beweis dafür, dass Kinderrechte in Österreich einen hohen Stellenwert genießen. Zudem sollen Kinder in Schulprojekten über ihre Rechte informiert werden.4

    Aktuelles

    Passend zum 25-jährigen Geburtstag der Festsetzung der Kinderrechte, flammte das Thema Gewalt an Kindern in den Medien im Jahr 2016 durch eine tödliche Strafdusche an einem 2-jährigen Mädchen in Wien erneut auf. Als Strafe wurde das Mädchen von seinem Vater unter die Dusche gestellt und dabei – angeblich unabsichtlich – so schwer verbrüht, dass es seinen schweren Verletzungen, die sogar die inneren Organe angriffen, verstarb.5 Auf einigen einschlägigen Blogs rund um Elternthemen und Pädagogik erschienen zahlreiche Artikel zum Thema gewaltfreie Erziehung, die in den weiterführenden Links angeführt sind.
    Immer mehr Kinder stehen heute unter dem Förderungs- und Perfektionsdruck ihrer Eltern - dabei wird eines vergessen: Spielen ist lernen. Alles, was Kinder benötigen, lernen sie beim Spielen. Deshalb: Spielen ist ein Menschenrecht!6

    Weiterführende Links

    Quellen

    1. Genfer Erklärung (humanium.org)
    2. Geschichte zum Weltkindertag (unicef.at)
    3. Weltkindertag Geschichte (kinderrechte-salzburg.at)
    4. Demokratiewerkstatt (demokratiewerkstatt.at)
    5. Leonie starb nach Strafdusche (kurier.at)
    6. Kindertag: Auch Spielen ist ein Menschenrecht (kurier.at)