Braille-Tag

    Seit 2001 wird am 4. Jänner der Welt-Braille-Tag gefeiert und steht ganz im Zeichen des Punkteschriftsystems. Andere Bezeichnungen für den Welt-Braille-Tag sind "World Braille Day" oder "International Braille Day".1

    Geschichte

    2001 wurde der Welt-Braille-Tag von der Weltblindenunion ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung der Braille-Schrift für sehbehinderte und blinde Menschen aufmerksam zu machen. Warum der Welt-Braille-Tag am 4. Jänner gefeiert wird, lässt sich einfach mit dem Geburtstag des Franzosen Louis Braille (1809-1852) erklären: Im Alter von vier Jahren verletzte er sich am Auge und erblindete daraufhin völlig.2 Weil sich Braille aber nicht mit seiner Sehbehinderung abfinden wollte, entwickelte er im Alter von 16 Jahren 1825 ein eigenes Schriftsystem bestehend aus sechs tastbaren Punkten in Doppelreihen. So entwickelte Braille nicht nur die Blindenschrift und ermöglichte es damit sehbehinderten Menschen zu lesen, sondern er setzte seine Idee auf die Notenschrift um, mit der auch Noten für Blinde lesbar wurden.1

    187 Jahre nach der Entwicklung der Braille-Schrift wurde sie zu einem internationalen Standard und sowohl bei Büchern und Zeitschriften, aber auch im Alltag in Aufzügen oder bei Ampeln, verwendet. Weiterentwicklungen der Braille-Schrift arbeiten mit sieben oder acht Punkten, etwa die Computer-Braille und die Blindenstenographie. Die Braille-Schrift ermöglicht Blinden und Sehbehinderten eine gleichberechtigte Teilnahme an der Gesellschaft und auch am politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben.3

    Dennoch sind es nur 5 Prozent aller veröffentlichten Bücher, die auch für Blinde und Sehbehinderte in Blindenschrift verlegt werden. Das "Recht zu Lesen" und damit die gleichen Ausbildungs- und Jobchancen wie Menschen ohne Sehbehinderung zu erlangen, wird nicht erreicht. Um die Gleichberechtigung und Situation für sehbehinderte Menschen zu verbessern, wurde 2013 das Marrakesch-Abkommen aufgesetzt, das den Zugriff und die Verbreitung von Publikationen in Blindenschrift erleichtern soll. In der EU gibt es bisher noch keine Einigung: 21 EU-Länder sprachen sich für das Abkommen aus, 7 Länder stimmten noch nicht zu und verhinderten somit eine Einigung.2

    Zwar ist die Brailleschrift schon in vielen Bereichen im öffentlichen Raum wie auf Aufzügen, Medikamentenverpackungen oder Tafeln angebracht, doch um sich selbständig und sicher orientieren zu können, brauchen Sehbehinderte und Blinde zusätzlich Blindenampeln, Leitlinien und die Vermeidung von unnötigen Hindernissen.2,4

    Brauchtum

    Mithilfe der Blindenschrift können Blinde und Sehbehinderte am gesellschaftlichen Leben gleichberechtigt und vollwertig teilnehmen. Für alle Betroffenen ist der Welt-Braille-Tag ein wichtiger Aktionstag um zu zeigen, wie essentiell die Blindenschrift für Blinde und Sehbehinderte ist. Auch wenn neue Technologien auf dem Vormarsch sind, gibt es für die Braille-Schrift noch immer keine Alternative.5

    Entsprechende Veranstaltungen von Blindenorganisationen machen auf die Bedeutung der Braille-Schrift für sehbehinderte und blinde Menschen aufmerksam.3

    Trivia

    Wussten Sie, dass sogar der Playboy sein Magazin jahrelang in Blindenschrift veröffentlichte?6

    Quellen

    1. 4. Jänner: Welt-Braille-Tag (bv-ktn.at)
    2. Welt-Braille-Tag: Das Recht zu lesen (kaernten.orf.at)
    3. Welt Braille Tag am 4. Jänner (ots.at)
    4. Welt-Braille-Tag: Sechs Richtige für blinde Menschen (tbsv.org)
    5. Braille-Schrift noch immer alternativlos (salzburg.com)
    6. Der alte Mann im Pyjama (newsv1.orf.at)