Tag der indigenen Völker

    Der Internationale Tag der indigenen Völker findet seit 1994 jährlich am 9. August statt. Er hat das Ziel, auf die fehlende Anerkennung der Rechte indigener Völker aufmerksam machen.

    Geschichte

    Die UNO schätzt, dass weltweit ca. 370 Millionen indigene Menschen in 5000 unterschiedlichen Kulturen in ungefähr 90 Staaten leben. Damit machen sie etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung aus.1

    Seit 1994 widmen die Vereinten Nationen den indigenen Bevölkerungsgruppen einen Gedenktag. Er soll auf die zahlreichen Missstände aufmerksam machen, unter denen indigene Volksgruppen auch heute immer noch leiden.

    Die Bemühungen, die Diskriminierung indigener Gruppen zu bekämpfen, gehen bis in das Jahr 1982 zurück, in dem die "UN-Arbeitsgruppe über Indigene Bevölkerungen" gegründet wurde. Eine gemeinsame Erklärung der UN-Staaten zum Schutz der Rechte der indigenen Völker erfolgte jedoch erst im neuen Jahrtausend: Im September 2007 wurde die "Deklaration über die Reche Indigener Völker" von insgesamt 144 UN-Mitgliedsstaaten verabschiedet. Sie räumt allen indigenen Gemeinschaften die gleichen politischen und menschenrechtlichen Ansprüche ein.2

    Die Verabschiedung dieser Deklaration stand am Ende eines über 20 Jahre andauernden Entstehungsprozesses: Nachdem 1993 der erste Entwurf fertig war, wurde dieser 1995 von der UN-Menschenrechtskommission zur Prüfung weitergegeben, im Juni 2006 dann vom UN-Menschenrechtsrat ratifiziert und schließlich an die UNO-Generalversammlung überwiesen. Diese verabschiedete die Deklaration im Rahmen der 61. Generalversammlung letztlich am 28. November 2006 mit einem Votum von 83 gegen 67 Stimmen. Da es bei der Abstimmung jedoch zu viele Enthaltungsstimmen gab, wurde die Entscheidung über die Erklärung nochmals verschoben. Erst am 13. September 2007 wurde die Resolution dann endgültig verabschiedet.3

    Die Deklaration verankert das Selbstbestimmungsrecht von indigenen Gruppen und bildet den Rahmen für ein Leben in Würde - sie soll Wohlergehen und Lebensraum dieser Gruppen schützen.
    Langfristig sollen gleiche Bildungschancen, Mitbestimmung, Eigenverantwortung sowie eine Verringerung von Hunger und Armut erreicht werden.

    Eine lückenlose Umsetzung der Erklärung von 2007 ist bis dato immer noch nicht erfolgt: Indigene Völker zählen weiterhin zu den am stärksten ausgegrenzten Bevölkerungsteilen.4

    Brauchtum

    Um den Erhalt der indigenen Sprachen zu fördern, deklarierte die UNESCO das Jahr 2019 zum Jahr der indigenen Sprachen. Ziel ist es, darauf aufmerksam zu machen, dass indigenen Volksgruppen oft kein Recht auf die Ausübung der eigenen Sprache (z. B. bei Behördengängen) haben.
    Viele indigene Sprachen sind auch deshalb gefährdet, weil sie in der Schule nicht mehr unterrichtet werden. Laut UN sind von 4000 Sprachen etwa 2680 vom Aussterben bedroht.1

    Aktuelles

    Thema 2018: Migration und Bewegung indigener Völker – viele Angehörige indigener Gruppen verlassen ihre Heimatregion in der Hoffnung auf bessere Lebensgrundlagen oder aufgrund von Auswirkungen des Klimawandels.1

    Der Mord an der indigenen Menschenrechtsverteidigerin Bera Cáceres im März 2016 zeigt, dass Wirtschaftsinteressen immer noch über den Rechten von indigenen Völkern zu stehen scheinen.5

    Quellen

    1. Indigene Bevölkerungen (bpb.de)
    2. Geschichte zum Welttag der indigenen Völker (spendeninfo.at)
    3. Deklaration Rechte der indigenen Völker (humanrights.ch)
    4. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon: “Die Rechte indigener Völker müssen geschützt werden” (unric.org)
    5. Presseaussendung zum Internationalen Tag der indigenen Völker (ots.at)