Thomastag, Thomasnacht

    Geschichte

    In der evangelischen und anglikanischen Kirche ist die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember der Gedenktag an den Apostel Thomas und wird als Thomastag oder Thomasnacht bezeichnet.

    Am 21. Dezember spricht man auch von dem Gedenktag des „ungläubigen Thomas“, da dieser zunächst nicht an die Auferstehung Jesu glaubte, sondern erst dann, als Jesus ihm noch einmal erschien und er seine Finger in die Wunden Jesu legen konnte. Weil er am längsten von Zweifeln geplagt war, wurde ihm die längste Nacht des Jahres, die vom 21. auf den 22.Dezember, zugesprochen.

    Bis 1970 wurde dieser Gedenktag auch in der römisch-katholischen Kirche gefeiert, jedoch dem römischen Generalkalender und der liturgischen Rangordnung folgend auf den 3. Juli verlegt. Dennoch gibt es in Österreich rund um den 21. Dezember (den St.Thomas-Tag) eine Vielzahl unterschiedlicher Bräuche, die auf eine lange Tradition zurückgehen.

    Brauchtum

    Die meisten Bräuche gehen auf die Raunachtsbräuche zurück, die mit der Wintersonnwende in Verbindung stehen, welche am 21. Dezember stattfindet. Vor allem bei der jungen Bevölkerung waren Orakelspiele sehr beliebt, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. So wollte man z. B. herausfinden, ob das nächste Jahr Glück bringen würde. Der Ursprung dieser Orakelspiele ist die Grundlage für viele heute noch weit verbreitete Bräuche.1

    In Mythologien, wird davon ausgegangen, dass die Gesetze der Natur in den Raunächten außer Kraft gesetzt und die Grenzen zu anderen Welten aufgehoben seien – ein Relikt aus dem damaligen Mondkalender, der nur 354 Tage hatte und mit dem Sonnenjahr (365 Tage) in Einklang gebracht werden musste. So wurden ein paar Nächte eingeschoben, die außerhalb der Zeit lagen und denen eine besondere mystische Bedeutung zuteil wurde. So wurde geglaubt, dass die Geister in dieser Nacht besonders lange und intensiv wirken könnten.

    Im 19. Jahrhundert war es in Österreich üblich, dass die einjährige Amtszeit eines Stadtrichters oder Gemeinderates am 21. Dezember ablief. Dies ist durch alte Ratsprotokolle dokumentiert und nachvollziehbar.

    Aberglaube und Bräuche sind für die Thomasnacht charakteristisch, genauso wie der Gedanke, dass man in der St. Thomas Nacht vom 21. auf den 22. Dezember seine*n künftige*n Ehepartner*in sehen wird bzw. in die Zukunft blickt (Kärnten).2 Aber auch das Gespenst der Thomasnacht ist im Ötschergebiet sehr verbreitet.

    Rund um das Finden des künftigen Ehepartners bzw. der künftigen Ehepartnerin gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Bräuche:
    Das Zaunstecken-Zählen, verkehrt schlafen, das Ziehen eines Ehepartners mithilfe eines Zettels unter dem Kopfpolster, das Werfen der Pantoffel, das Aufschneiden eines Apfels und die Deutung der Apfelkerne, das Gedicht unter einem Kriechen- oder Weichselbaum oder Tragen eines Apfels in der Tasche oder unter der Achsel vom Thomastag bis zum Christabend – alle Bräuche haben nur ein Ziel: den oder die Zukünftige(n) zu finden.2

    Auch für Langschläfer hält die Thomasnacht eine Lösung parat. Einfach den Spruch

    Heiliger Sankt Veit,
    weck mich auf zur rechten Zeit,
    daß ich mich nicht verschlafe
    und zur rechten Zeit erwache!

    sagen und künftig rechtzeitig aufstehen.

    Wer für Geldsegen sorgen möchte, sollte dies auch in der Thomasnacht tun: Laut Überlieferung sollen Silbermünzen, die beim Wäschewaschen ins Wasser gelegt werden, helfen. So geht einem das Geld nie aus.3

    Quellen

    1. Ursprung der Bräuche (ooe-volkskultur.at)
    2. Ehepartner sehen (sagen.at)