Allerseelen

    Das römisch-katholische Fest Allerseelen wird jedes Jahr am 2. November gefeiert und gedenkt aller Verstorbenen sowie der „Armen Seelen” im Fegefeuer. Als Arme Seelen werden in der römisch-katholischen Kirche jene Seelen bezeichnet, die sich nach dem Tod im Fegefeuer befinden. Dieses wird als eine Art Übergangszustand gesehen, in dem Seelen von ihren letzten Sünden – sofern sie nicht zu schwerwiegend sind – befreit werden, um dann in den Himmel aufsteigen zu können.1, 2

    Das Allerseelenfest steht dem am 1. November begangenen Allerheiligen gegenüber, an welchem aller Heiligen gedacht wird.8 Anders als Allerheiligen ist Allerseelen in Österreich jedoch kein gesetzlicher Feiertag.1

    Geschichte

    Die Wurzeln des Allerseelenfestes reichen bis ins späte 10. Jahrhundert zurück. Damals hatte der französische Abt Odilo von Cluny den 2. November als Gedenktag für alle gläubigen Verstorbenen eingeführt. Der Wirkungskreis für das von Cluny erlassene Dekret erstreckte sich jedoch nur über jene Klöster, die ihm unterstellt waren.1, 4 Von dort verbreitete sich das Gedenkfest schnell über ganz Frankreich bis nach England, Italien und Deutschland.5, 6 Offiziell festgesetzt wurde Allerseelen als Gedenktag jedoch erst 1915 von Papst Benedikt XV.7

    Brauchtum

    Im Mittelpunkt von Allerheiligen und Allerseelen steht das Gedenken an die Verstorbenen. Dementsprechend ist der Zustrom zu den Friedhöfen zu keiner anderen Zeit im Jahr so groß wie Anfang November.8

    Für viele Menschen ist es Brauch, am 1. oder 2. November (oder an beiden Tagen) Gräber von Angehörigen und Freund*innen zu besuchen, diese zu schmücken und eine Kerze zu entzünden. Diese Praxis ist seit dem 16. Jahrhundert belegt, entstand aber vermutlich schon viel früher. Da es sich bei Allerseelen, anders als bei Allerheiligen, jedoch nicht um einen gesetzlichen Feiertag handelt, wird oft der arbeitsfreie 1. November als Gelegenheit für einen Friedhofsbesuch wahrgenommen. Dementsprechend hat sich das allgemeine Totengedenken mittlerweile teilweise von Allerseelen auf Allerheiligen verlagert.7, 8

    Ein weniger bekannter Brauch, der mit dem Totengedenken zusammenhängt, ist der Allerseelenablass. Laut katholischer Tradition können Gläubige rund um den Allerseelentag – nämlich vom 1. bis zum 8. November – einen vollkommenen Ablass für ihre Verstorbenen, die sich als Arme Seelen im Fegefeuer befinden, erlangen. Gemeint ist damit, dass Sündenstrafen (jedoch nicht die Sünden selbst) vergeben werden. Damit soll den Armen Seelen ein schnellerer Aufstieg in den Himmel ermöglicht werden. Um einen Allerseelenablass zu gewinnen, müssen Gläubige nach katholischer Lehre bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören etwa der Empfang des Sakraments der Buße sowie der Besuch einer Kirche oder Kapelle inkl. Gebeten zu Allerseelen oder Allerheiligen (ab 12 Uhr).6, 9

    Abseits davon sind dem Allerseelentag kaum andere Bräuche eindeutig zuzuordnen. In der Vergangenheit war das jedoch anders. Es existieren Belege, die zeigen, dass früher zu Allerseelen etwa Gebäck verspeist wurde, das dem heutigen Allerheiligenstriezel ähnelt. Die damaligen Allerseelenzöpfe bestanden ebenfalls aus Germteig. Die Stränge dieses Striezels wurden allerdings nur an den Enden verflochten.10

    Allerseelen ist in Österreich kein gesetzlicher Feiertag, sondern quasi ein „halber Feiertag“. Banken und Geschäfte behandeln den 2. November wie einen normalen Arbeitstag, Ämter und öffentliche Einrichtungen haben hingegen geschlossen. An öffentlichen Schulen ist der Tag unterrichtsfrei und auch an einigen Universitäten ist er vorlesungsfrei.1, 3

    Allerseelenbräuche in anderen Ländern

    In Mexiko wird am 2. November der Tag der Toten (spanisch Día de (los) Muertos) gefeiert. Während Allerseelen in Österreich eher ruhig und bedächtig abläuft, handelt es sich beim mexikanischen „Día de Muertos“ um ein buntes Volksfest. Straßen und Geschäfte werden aufwändig mit Skeletten und Blumen geschmückt. Im privaten Raum werden Altäre für die Verstorbenen, sogenannte „Ofrendas“ errichtet. Laut Volksglauben kehren die Seelen der Verstorbenen an diesem Tag nämlich zurück zu ihren Familien, um diese zu besuchen. Zur Feier des Tages wird das sogenannte „Pan de Muerto“ (Totenbrot) verspeist – eine Art süßes Hefegebäck. Ebenfalls sehr beliebt sind kleine Totenschädel, bekannt als „Calaveras de Azúcar“, die etwa aus Zucker oder Schokolade hergestellt werden. Beides wird traditionell um den Altar gelegt.5, 11

    Auf den Philippinen ist, wie in Österreich, der Friedhofsbesuch zu Allerseelen gängiger Brauch. Anders als in Österreich gleicht dieser jedoch einem Fest. Es ist üblich, dass Familien zu Allerheiligen und Allerseelen den ganzen Tag gemeinsam an den Gräbern ihrer Verstorbenen verbringen. Manche von ihnen schlagen sogar Zelte auf und übernachten auf den Friedhöfen.5, 12

    Ähnlich wie in Mexiko gilt der 2. November auch in Haiti als Tag der Toten, genannt „Fèt Gede“. Während Katholik*innen an diesem Tag in die Kirche gehen, feiern Voodoo-Anhänger*innen laute, bunte Feste auf den Straßen Haitis. Voodoo ist eine der Staatsreligionen Haitis und wird oft auch von jenen, die offiziell eine andere Konfession haben, praktiziert. Wie auf den Philippinen treffen sich Voodoo-Praktizierende zu Fèt Gede auf den Friedhöfen, um dort die Toten zu ehren, zu feiern und Rituale abzuhalten.5, 13

    Weiterführende Links

    Quellen

    1. Allerseelen (wikipedia.org)
    2. Bedeutung & Brauchtum von Allerseelen (vivat.de)
    3. Wer zu Allerseelen arbeitet und wer nicht (orf.at)
    4. Fragen und Antworten rund um Allerheiligen und Allerseelen (katholisch.at)
    5. Christentum: Allerheiligen und Allerseelen (orf.at)
    6. Alle Seelen (heiligenlexikon.de)
    7. Allerheiligen und Allerseelen (erzdioezese-wien.at)
    8. Allerseelen – das Fest am 2. November dioezese-linz.at)
    9. Allerseelenablass (wikipedia.org)
    10. Allerheiligen & Allerseelen: Gebäck & Traditionen (ichkoche.at)
    11. Tag der Toten (wikipedia.org)
    12. Philippinen: Zu Allerseelen auf dem Friedhof übernachten (vaticannews.va)
    13. Fèt Gede – the Haitian Day of the Dead (visithaiti.com)
    Allerseelen als ICS downloaden